Po-Gymnaschdig

Ich moag koi Gymnaschdig meinte Bernd (hätte fast geschrieben das Brot). Bernd hat wahrscheinlich in den letzten Jahrzehnten keine Sportmatte gesehen. Nun wird der Bäckermeister in Ruhestand durch Pilates und diverse Dehneinheiten auf das Übelste gefoltert. Es ist aber auch ziemlich luschdig mitanzusehen, wenn der Koloss von Schwäbisch Gmünd das Gleichgewicht verliert und auf die Matte mit einem lauten Grunzen knallt: Aaah, Hergottsack, Scheiß Gymnaschdig! Ich vermute in seinem Bäuchlein steckt nicht nur ein paar Weißbrote zu viel, sondern auch eine Menge Weißbier. Gemein, ich weiß, aber der Alltag in der Reha steckt eben voller köstlicher Slapstick-Einlagen. Platz für einen Weltschmerz gibt es nicht, eher für einen Weltscherz. Und Herr Schnur ist selbst davor auch nicht gefeit zu einer Witzfigur innerhalb von Sekunden zu werden. Gleichgewichtsübungen sind im Prinzip aktuell meine Spezialität. Ich kann ziemlich lange auf einem Bein stehen. Wenn ich in die Runde schaue, gehe ich eindeutig  mit Abstand als Sieger hervor. Nur wenn mein krummer Mountain-Bike-Unfall-Arm bei Übungen ins Spiel kommt, z.B. im Vierfüßlerstand, dann komm ich sowas von ins Wackeln als wäre gerade ein Erdbeben direkt unter der Klinik ausgebrochen.  Da ist auch nix mit Körperspanung zu machen. Krumm ist krumm, Statik irreparabel hinüber. Toll ist aber auch wie die Leute kämpfen, kämpfen, kämpfen, allen Widrigkeiten zum Trotz. Charlotte,  ca. 70, kam mit ihrem Rollator in die Gruppe und hatte erste leichte Übungen mit einiger Hilfestellung mitgemacht. Die personifiziere Unsicherheit. Nach drei Wochen pfeffert sie ihren mit bunten Blümchen verziertes Gefährt in die Ecke und hampelt ganz allein auf der Matte herum, als wäre sie eine ehemalige Bodenturn-Weltmeisterin. Nun blüht sie mit ihren Rollator-Blümchen um die Wette! Fantastisch! 

Die verschiedenen Therapeuten sind sehr unterschiedlich in ihrem Auftreten. Wie ein Schüler muss man sich ständig auf einen neuen Charakter einstellen. Da gibt es z.B. den Major. Er befiehlt sozusagen eine Einheit von Elitesoldaten im feindlichen Hinterland. Nach dem Einsatz müsste ich mich im Prinzip gleich für eine Anschluss-Reha anmelden. Oder die Kräuterhexe. Sie versucht mit einer Duftlampe - ummöglich den Duft zu verifizieren zwischen den ganzen Schweißfüßen - und rotem Licht unsere knackenden und knarzenden Gliedmaßen zu bezirzen.  

Heute gab es eine dauerlachende Schlangenfrau in Pilates im Angebot. Erinnerte mich eher an Lachyoga, als an Pilates. Nach jeder Anweisung lachte sie herzhaft. Wenn sie einen Joke machte, der keiner war, lachte sie als Einzige sehr sehr laut. „Bei dieser Übung hören sie gleich das Frühstück - haaah, haaah, haaaaaah! Sie schlang den Fuß um ihre Hüfte als wäre ihr Treter aus Gummi. 

Der Gesprächigste ist ein Teletetubbie. Er hat bestimmt eine super Figur, wenn nur sein Birnenbauch nicht wäre. Teletubbie eben. Ich kann mich nur nicht entscheiden welcher von den Tubbies: Tinky Winky, Dipsy, Laa-Laa oder Po. Krass, dass ich die Namen noch weiß. Aber ich habe ja auch für eine Hausarbeit 14 Tage gefühlt alle Folgen in jeder Sequenz analysiert. Teletubbie quatscht eigentlich mehr als er vorturnt. Wenn er das aber dann doch mal macht, ist er unfassbar beweglich und man könnte sich vorstellen, dass er mal vor Jahren eine ansehnliche Sportskanone war. Einen knackigen Po hat er immer noch. 

Hmmm…oh jaaaaa, ich bin für Po. Passt! Winke-winke!