So eine dreiwöchige Reha hat viele positive Effekte. Man kümmert sich nicht nur intensiv um sich, pflegt mit viel Aufmerksamkeit Körper und Geist, hat kaum Störungen von außen zu befürchten und wenn dann sind diese Unterbrechungen meistens gewünscht. Es ist auch die hier versammelte Schicksalsgemeinschaft, die einen auf das Wesentliche wieder zurückwirft. Man ist nicht allein mit seinen Baustellen. Was für Baustellen überhaupt? Man sieht: Andere haben es um ein Vielfaches schwerer. Man selbst ist eigentlich im Luxuxsegment unterwegs. Seit dem 24.02.2011, als mein Urologe mir die Diagnose Hodentumor links eröffnete und dies der Beginn meines zukünftigen Patientendaseins war, höre ich verstärkt auf meine vielseitigen Körpergeräusche. Nicht unbedingt täglich, aber fast. Nahe am Hypochondertum. Jedes Zwicken und Krummeln schreit den nahen Tod herbei. Eine gebrechenfreie Rente die reinste Utopie. Ich weiß selbst, dass das nicht unbedingt so toll für‘s Gemüt ist, aber ich kann das leider nicht abstellen. Und vielleicht macht es einem ja auch jeden Tag bewusst, dass das Leben ein großes Geschenk ist, das man inständig pflegen sollte. Man sagt, ich sei ein wenig morbide. Das stimmt sicherlich, aber der Tod gehört nun mal seit ich denken kann zu mir - und er ist mittlerweile nicht mehr ein Feind. Er nervt unheimlich, aber wer nervt denn bitteschön nicht - hin und wieder. Er meint es doch auch gut; er will, dass wir alle irgendwann zu Ruhe kommen. Betonung auf ALLE! Er kann auf den Tod Hektik nicht ausstehen! Das Problem ist: Er könnte aber noch etwas an der Art und Weise feilen, wie ich finde. Ist mir zu unterschiedlich, oft zu emotional. Der eine schlummert einfach sanft ins Nirwana, die andere quält sich über Jahre, um endlich ins Paradies zu gelangen. Das ist ziemlich unfair Herr Tod! Heute aber hatte ich seit langem das Gefühl, dass ich dir, lieber Sensenmann, ein Schnippchen schlagen könnte. Vielleicht kann ich doch die nächsten 2 runden Geburtstage feiern. 60, 70, das war für mich persönlich mal in weiter Ferne. Und das vielleicht jetzt sogar nicht besonders eingeschränkt. Aktiv, fröhlich, zugewandt. Mit Enkeln auf dem Boden krabbelnd? Zum ersten Mal stehe ich morgens vor dem Spiegel und denke: Mann, dir geht es richtig gut. Wo sind bloß all die Körpergeräusche hin? Ich bin nicht gesund, aber ich fühle mich tatsächlich so.
Ich kann es nur jedem empfehlen: Fang heute an! Jetzt! Kümmere dich um dich! Es lohnt sich! Man kann vieles selbst in die Hand nehmen und ändern. Ohne Pillen und Cremes! Erbgut hin oder her. Aus meiner theoretischen und praktischen Erfahrung heraus kann ich jetzt nun definitiv sagen, eine gesunde Lebensführung ist zentral für die Lebensqualität. Wehwehchen, ja sogar chronische Probleme verschwinden. Bewegung und Ernährung sind in der Kombination Heilsbringer! Es muss kein Marathon sein, ein regelmäßig eingebauter Spaziergang reicht schon. Gehen statt kutschieren wird zum Quantensprung. Der Aufzug muss zum Hassobjekt werden. Gemüse und Obst zum Lieblingsfutter. 2-3 Liter Wasser ein Muss! Man überlebt ohne Fleisch! Garantiert! Man lebt auch sehr gut ohne Alkohol. Na ja sagen wir mal, mit sehr wenig Alkohol. Es muss ja nicht gleich eine Flasche Chardonnay sein, sondern tatsächlich nur das berühmte Achtel. Ab und zu! Auf keinen Fall Hochprozentiges! Wenn man auf diesem Weg bleibt und seine Vitalwerte konsequent überprüft, werden sich hundertprozentig Erfolge einstellen. Dann muss man in sich hinein horchen. Will man tatsächlich zu seinem alten Lebensstil zurück: zu Süẞes, Salziges, Fastfood, Industriefutter, Wurst und Rindersteak, zu den täglichen sehr ungesunden Belohnungsritualen und dem Stressbewältigsvethalten, zur Müdigkeit und Faulheit? Bin ich damit von innen heraus wirklich zufrieden? Wenn man das definitiv bejahen kann, okay dann gerne weiter so! Ich aber möchte nicht, dass meine Tochter und meine Frau mich irgendwann füttern und mich zur Toilette bringen müssen. Das will ich nicht. Ich wünsche mir bis zum Schluss den Klogang selbst geregelt zu bekommen. Ich möchte alles in meiner Macht dafür getan haben, mit erhobenen Haupte von der Lebensbühne abzutreten.
Hier sitzt - ja man muss schon sagen permanent - der „Handyman“ in der Raucherecke. Qualmt immer und starrt mit gesenktem Kopf und Buckel auf sein Mobilgerät. Mindestens 3-5 Mal am Tag muss man dort vorbei, um entweder in die Cafeteria oder zu den Anwendungen zu gelangen. Handyman sitzt IMMER dort! Wenn man auf ihn wettet, gewinnt man. Schlaganfallpatient. Man sieht quasi dabei zu, wie ein Mensch sein Leben wegwirft. In seinem Hamsterrad sitzen bleibt, komme was wolle. Auch wenn man ihm die Käfigtüre in die Freiheit öffnet. Das ständig zu beobachten, schmerzt regelrecht. Alle sensiblen Lampen eines feinfühligen Pädagogen gehen da an. ER ist leider nicht in einem Luxussegment unterwegs. Er hat aufgegeben!
Anna sagte vor kurzem zu mir: Paps, du überlebst uns alle noch. Das muss jetzt nicht unbedingt sein. Löffelabgabe ein paar Stunden vorher wäre ganz okay!
