In wenigen Stunden ist es soweit. Eine lange intensive schweißtreibende Ausbildung hat Gott sei Dank ein Ende gefunden. Und ich darf tatsächlich endlich zu meiner kleinen Anni „Frau Kollegin“ sagen. Stolz auf etwas zu sein, ist gar nicht so meine Wesensart. Aber hier trifft es ausnahmsweise doch zu. STOLZ! Und wie! Wenn man die ganzen ausgefochtenen Lebenskämpfe kennt, die Biegungen und Kurven, die Umwege und Umleitungen, dann weiß man umso mehr zu schätzen, was dieses einzigartige Wesen mit dem heutigen Tag geschafft haben wird. Anni. Berufsschullehrerin. Wer hätte das von ihr in der 8. Klasse gedacht. Ganz der Paps. In mir hat man auch nie einen Lehrer gesehen. Erst durch puren Willen habe ich mir mein Berufsglück erarbeitet. So wie meine kleine süße Anni. Die immer kruschtelte und schwieg, erzählt nun immer noch kruschtelnd ihren Schülern viele spannende Geschichten. Anni. Die, wenn sie bei der Fahrradtour nicht mehr hinterherkam, vor lauter Stress einen Asthmaanfall entwickelte. Und jetzt wird ihr der blöde Stress nie wieder nur das geringste anhaben können. Anni. Die mit zwei verschiedenen Socken oder ohne Jacke im Winter zum Kindergarten trödelte, erhält nun den Titel Orgakönigin überreicht. Ministerial beurkundet! Ihr Erfolg ist auch ein klein wenig mein Erfolg! ICH WERDE DIESEN FANTASTISCHEN TAG ERLEBEN! Nicht geheilt, aber doch recht gesund! Ich bin schon ausreichend glücklich. Aber heute bin ich noch einen Tick glücklicher. Meine liebe Anni: WIR haben es geschafft!
