Was für ein Name für ein Barber Shop. Wer hätte das gedacht: In dem überschaubaren Allensbach ist ein hipper Coiffeur. Bis 22.00 Uhr geöffnet. Klar, wenn man da sogar eine Runde Pool Billard spielen kann. Amerikanische Nummernschilder an der Wand und das Haarwasser in Whiskyflaschen-Zerstäuber. Krass! Ich liebe solche skurrilen Läden. Barber sowieso. Hier weiß man nicht, was Gendern bedeutet oder dass man als Mann Elternzeit beantragen kann. Irgendwie scheint es mir noch der einzige Ort zu sein, wo man sich als ganzer Kerl fühlen darf. Außer auf einem Pferd beim Rodeo. Texas eben! Wahrscheinlich hängt es aber auch mit der scharfen Rasierklinge am Hals zusammen. Ein kleiner unkontrollierter Spasmus und zack tot. Aber der kleine Junge hat es ordentlich gemacht. Ohne jeglichen Blutspritzer. Zuvorkommend und verständlich kommunikativ. Das hatte ich auch schon anders. Wenn man einen Barber regelmäßig aufsucht, kommt man häufig bei Mitarbeitern ohne Sprachkenntnisse unters Messer. Der Kapo dolmetscht dann während der Sitzung fürsorglich. Das Sicherheitsrisiko leidet hier ein klein wenig. Ein gewisses Risiko ist es immer, den Fuß in so einen Schuppen zu setzen. Man weiß nie, ob man am Ende zufrieden oder entsetzt in den Spiegel schaut. Aber ich denke, der Jüngling hat mich nicht völlig entstellt. Manchmal ist ein Besuch beim Barber pures Wellnessprogramm. Manche Jungs sind so feinfühlig, zugewandt und geschickt mit den Händen, dass man sich eine Beziehung mit ihnen wünschen würde. Aber Gott sei Dank habe ich eine feinfühlige, zugewandte Ehefrau mit sehr geschickten Händen!
Manche stinken aber auch wie ein überfüllter Aschenbecher. Dieses Unberechenbare reizt mich immer ungemein. Ich agiere hin und wieder aber auch vehement: Sorry, Du nicht! Dein Kollege, der da drüben, au ja!
Leider hat das orientalische Jüngelchen meine Wellnesssehnsucht ignoriert. Es war eher eine schnelle, zackige Nummer, ohne Esprit. So schnell bin ich noch nie von einem Behandlungsstuhl aufgestanden. Nach Minuten gerechnet war es der teuerste Barber, den ich jemals aufgesucht habe. 32 Euro. Ich habe mich gefragt: Allensbach gehört doch nicht zur Schweiz, odrrr? Normalerweise gibt es einen 5er extra. Hier nur 3er. Muss schließlich für das Benzin zuhause schon mal sparen, sorry!
Die Musikuntermalung hat auch jedes Mal eine große Spannbreite, von Radio Regenbogen über wilde Technobeats bis zu anatolischen
Volksliedern alles dabei. Hier umschmeichelten meine Gehörgänge betörende Tanzmusik aus 1001 Nacht. Das Texas-Konzept wurde hier nicht konsequent verfolgt, finde ich. Mr. Präsident fände das gar nicht so gut. Oder doch? Man stellte sich mit geschlossenen Augen 40 leicht bekleidete Jungfrauen vor, die ihre einladenden Hüften nach dem Takt von Zitherklängen kreisen lassen. Das hatte was. Für den den sexistischen Irren mit der Orangenhaut bestimmt auch. Also doch ein wenig Wellness in Texas.




