Wenn so ein Regenbogen nicht Glück bringt, weiß ich auch nicht!
Heute ist Sonntag: Yeah, lasst uns singen! There is a light...
Einfach auch mal schön, den ganzen Samstag zuhause abzuhängen und nichts zu tun, außer Eishockey und Elbjazz-Live-Stream-Festival gucken und ein Bolo-Battle über130 km Entfernung durchführen. Wir haben uns im Gegensatz zum Eishockey auf ein Unentschieden geeinigt! Der Lymphomkranke hat jetzt nicht nur ein Kartoffelsalat-Abo, sondern auch jeweils ein Olivenöl- und ein Tomatensaucen-Abo abgegriffen. So kanns weitergehen. Hmm...da fallen mir noch allerhand andere leckere Abonnement-Möglichkeiten ein. Muss mal bei Gelegenheit eine Liste erstellen und veröffentlichen.
Langsam gefällt es mir, ein Todgeweihter zu sein. Kein Wunsch kann abgeschlagen werden, hi...hi....
Todgeweiht? Ich bin fit wie ein Turnschuh, und jetzt hat es Nici erwischt: Shit! Eine Bandscheibe hat den Geist aufgegeben. Kein Wunder bei dem ganzen Pensum, den sie absolvieren muss.
Da ich die Therapie und die Tabletten gut vertrage, kann ich ja jetzt das Bücken für sie übernehmen.
Wie es so ist, wenn man es im Kreuz hat, fliegt einem nun ständig etwas runter.
Hoffen wir mal, dass wir das alles alternativ noch in den Griff bekommen.
Gemeinsam sind wir lebensfähig! Alleine eher nicht mehr!
Traum
Ich habe wieder bei der Versicherung angefangen. Bei einem Vorstellungsgespräch war ich so eloquent und charmant, dass sie mich sofort eingestellt haben. Der Hauptchef war nicht überzeugt, weil ich eindeutig zu alt war für eine Ausbildung: 52. Der zweite Chef, der so aussah wie Fritz Hock (ein ehemaliger Konrektor der Schule), nur viel jünger, setzte sich für mich ein: Herr Schnur wird uns viele Verträge bringen, da bin ich mir ganz sicher. Er begleitete mich zu meinem Platz im Großraumbüro. Ich fühlte mich auf der Stelle sehr unwohl und meine ganze Motivation war verschwunden. Am nächsten Morgen war Berufsschule, ich fuhr aber zuerst in die Filiale und stempelte ab. Ich schaute mich um, schwieg und beobachtete. Keiner nahm Notiz von mir. Im Anschluss stieg ich in die Straßenbahn zur Berufsschule ein. Unterwegs sah ich viele Menschen aus den unterschiedlichsten Ländern ein Fest feiern. Ich reihte mich ein, sang und tanzte mit. Spät abends ging ich nach Hause zu meiner Mutter. Voll von Angst erwartete sie mich auf ihrem Sofa. Sie konnte nicht schlafen. Auf dem Handy hatte ich 1000 Anrufe, die Nummer war mir nicht bekannt. Im Geschäft bekam ich am nächsten Morgen vom Büroleiter einen Anschiss verpasst. Ich dürfe morgens nicht in der Filiale stempeln und dann in die Berufsschule, das sei verboten. Außerdem sei ich nicht ans Telefon gegangen. Ich meinte zu ihm, dass ich mir nur über etwas klar werden wollte. Er fragte: Über was? Ich kündige. Geschockt schaute er mich an. Ich fragte: Wie sollen wir es machen? Na dann gehst du zu Herrn Hock und verabschiedest dich, der ist da. Mit viel zu kleinen Schuhen schlurfte ich also zum 2. Chef, der mich schon grinsend erwartete; er aber noch telefonierte. In der nächsten Szene bin ich bei meiner Mutter in Zuffenhausen, die mich aufzumuntern versuchte: Das bekommen wir schon hin, dann suchst du dir eben einen Ausbildungsplatz im Hotel. Wir werden über die Runden kommen, mach dir keine Sorgen.
Echt irre, was man so träumt und was man so ganz tief in sich trägt. Jahrzehntelang.
Doch was Besonderes. Spontane Entscheidungen sind einfach die besten. Wir waren uns nicht ganz klar darüber, ob wir heute den Pfälzer Wald unsicher machen sollen bei dem unbeständigen Wetter. Der gesundheitliche Aspekt war ausschlaggebend, dass wir uns doch wieder für das sonntägliche Ritual entschieden haben. Für mich sowieso selbstverständlich. Auftrag von Wonderwoman: Bewegung, Bewegung, Bewegung und Nicis Bandscheibe wird es ihr auch danken. Ein Tag Zuhause rumhängen wäre da gar nicht gut. Also los! Auf zum Martinusweg nach St. Martin. Und? Tatsächlich war es mal wieder eine sehr schöne kleine Wanderung. Sogar mit Einkehr - in der Kropsburg. Eine Schorle wurde von meiner Anti-Lymphom-Vorsitzende erlaubt. Davon durfte ich 1/4 trinken. Damit kann ich gut leben. Wie schrieb Schwiegerpaps: wandern ohne Schorle - doof! War lustig im Weingarten. Gäste und Bedienung beobachten. Machen wir immer gerne. Gäste freuen sich unbändig, dass es endlich wieder los geht. Die Hütte war voll. Ein Ehepaar hatte ihren kleinen Hund nicht im Griff, der ätzte einen Nachbarhund an. Die Besitzerin versuchte den nervösen Kläffer unterm Tisch unter Kontrolle zu bringen. Dabei wickelte er ständig sein Hundehalsband um Menschen- und Tischbeine. Wie der Kater unserer Nachbarn in Böchingen erwürgte er sich fast am Band und quietschte permanent. Wir wetteten auf den Todeszeitpunkt von Hund und Herrin. Der Ehemann grinste die ganze Zeit nur blöde.
Der Service hatte noch Abstimmungsprobleme, war aber sehr nett. No go: Chef machte seine Hilfe vor versammelten Gästen rund. Die Arme tat uns sehr leid und bekam dafür ein wenig mehr Trinkgeld.
Der Weg war kurz, aber wunderschön. Und so viele Touris waren gar nicht unterwegs. Erträglich. Die Blütenpracht überall war toll anzusehen. Im Wald sah ich sogar ein kleines Rehkids wegspringen. Perfekter Tag! Konditionell hatte ich überhaupt keine Probleme; ich hätte sogar Kraft gehabt für mehr. Fast alles normal.
Eine Elbjazz-Playliste begleitete uns den Tag über. An Michelle David und Wendy McNeill haben wir einen Narren gefressen. Coole Mucke! Hamburg 2019 war super klasse! Elbjazz 2022 wäre eine Option. Mal sehen. Man darf nicht gleich größenwahnsinnig werden. Gemach gemach!
Morgen beginnt wieder die Schule, ohne mich. Heute meinte ich zu Nicole, dass ich nicht mal mehr die Schüler vermisse. So schnell kann sich die Berufung in Luft auflösen. Nix mehr zu spüren davon. Keine Ahnung, ob das gut ist. Wenn man bedenkt, dass ich erst ein paar Wochen fehle, ist meine Aversion gegenüber Schule schon seltsam. Liegt wahrscheinlich auch daran, dass ich keine einzige Minute Langeweile verspüre. Ich habe immer etwas zu tun. Manchmal habe ich sogar das Problem, was ich zuerst mache. Eigentlich wünschte man sich ja so einen Krankenstand: fit und agil, aber ganz klar berechtigt, krank zu sein. Wer will mir dieses Glück verwehren? Die nächsten Chemo-Nebenwirkungen kommen bestimmt. Morgen erste Blutabnahme beim Hausarzt. Bin gespannt, wie sie ausfallen. Ein schlechtes Ergebnis kann ich mir gar nicht vorstellen. Ab morgen muss ich dann wöchentlich meine Blutwerte checken lassen. Ein Stadtbummel im Anschluss wäre doch ein guter Plan.


































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